Die ZfS-Webzeitung

Inga Werth, 26.02.2013

 

Ein Schotte lernt Friesisch

 walker1Hört man den Namen von Alastair Walker, einem Schotten, denkt man im ersten Moment an die Highlands oder einen Mann im Kilt und nicht an jemanden, der sich in besonderer Weise mit dem Friesischen auseinandersetzt.

Zu seiner Zeit als Student der Allgemeinen Sprachwissenschaft und des Deutschen in England, gehörte es zum Studium, ein Jahr an einer deutschsprachigen Universität zu verbringen und in dieser Zeit eine sprachwissenschaftliche Arbeit zu schreiben. Sein Germanistik-Professor William B. Lockwood empfahl ihm damals, nach Kiel zu gehen und sich mit dem Dagebüller Friesisch zu befassen. mehr...  Nach diesem Jahr voller neuer Erfahrungen ging er zurück nach England, um sein Examen abzuschließen. Durch ein Stipendium des „Deutschen Akademischen Austauschdienstes“ kam er wieder nach Deutschland und blieb. Seit 1972 ist Alastair Walker wissenschaftlicher Mitarbeiter der Nordfriesischen Wörterbuchstelle der Universität Kiel. 

Besonders interessiert hat er sich für die Mehrsprachigkeit und Dialektvielfalt. Auch der Status des Friesischen als Minderheitensprache regte sein Interesse an. Doch ebenso  die liebevolle Aufnahme durch die Friesen und ihre Gastfreundschaft gingen Walker zu Herzen. Durch diese Herzlichkeit wurde Walker zu einem, wie er in England lernte, „Feldlinguisten“. Diese arbeiten im Gegensatz zu den „Schreibtischlinguisten“ mit den Menschen zusammen. Sie gehen hinaus und stehen im direkten Kontakt mit ihnen. Durch diese Arbeit hat er die Freundlichkeit und Aufmerksamkeit der Nordfriesen in besonderer Weise kennenlernen dürfen. Es ist ihm wichtig, diese Begeisterung auch in seinen Studenten zu entfachen und zu wecken. Doch natürlich steht auch die Ausbildung qualifizierter Nachfolger im Vordergrund, da ihm das Friesische am Herzen liegt und er es in guten Händen wissen möchte.

Er selbst als Brite möchte mit seiner Arbeit am Friesischen zeigen, dass die Zeiten des Krieges und der Kriegsgegnerschaft zwischen Großbritannien und Deutschland vorbei sind und der Völkerverständigung mit ihren unterschiedlichen Sprachen nichts mehr im Wege steht. Auf die Frage, was ihm das Friesische bedeutet, antwortete er mit folgendem Zitat: „Das Demokratieverständnis eines Landes zeigt sich darin, wie dieses Land mit seinen Minderheiten umgeht.“ Es ist ihm demnach besonders wichtig, wie Deutschland sich zu seinen Minderheiten äußert und wie es sich für diese einsetzt. Zu diesem Thema organisierte er auch einen Kongress in Berlin mit dem Titel „Sprachenvielfalt und Demokratie in Deutschland“. Das Wichtigste, um Minderheitensprachen zu wahren und sie in die Demokratie mit einzubeziehen, ist der Friede. Dementsprechend passt das Siegel der Universität Kiel gut zu diesem Thema: „Pax optima rerum“ - „Der Friede ist das Beste der Dinge“.

Doch europaweit ist Alastair Walker nicht der einzige mit einer solchen Geschichte. Anthony Rowley, ebenfalls ein britischer Sprachwissenschaftler und von William B. Lockwood nach Deutschland geschickt, ist heute ein Forscher bayrischer Dialekte und Leiter des Bayerischen Wörterbuchs in München. Auch Marron Fort aus den USA, ein Sprachforscher des Saterfriesischen, erlangte schon hohes Ansehen mit seiner Arbeit. An diesen Beispielen erkennt man, dass es nicht auf die Muttersprache ankommt, um sich für eine andere Sprache einzusetzen. Länderübergreifend können so Verbindungen erstellt werden, an die vor einigen Jahren noch gar nicht zu denken gewesen wäre.