Die ZfS-Webzeitung

Alexander Guterl, 26.02.2013

 

Antiquiert, rechtslastig, überflüssig - oder auch nicht? Studentenverbindungen im Diskurs guterl1

Studentenverbindungen sind seit ihrem Aufkommen im 19. Jahrhundert Gegenstand kontroverser Diskussionen. Vorgeworfen wird ihnen Rechtsradikalität und Chauvinismus. Die Redaktion des „CAUbonbon“ hat im Zuge der immer noch bestehenden Aktualität das Thema näher untersucht und den Kieler Verbindungsstudenten Mathias S. dazu befragt. Er ist 21 und Agrarstudent im 3. Semester. Seit eineinhalb Jahren ist er Verbindungsstudent in der „Landsmannschaft im CC Slesvico-Holsatia vereinigt mit Landsmannschaft Cheruscia“ und hat sich bereiterklärt, mit dem „CAUbonbon“ über Studentenverbindungen zu sprechen und den Sachverhalt aus einer anderen Position zu beleuchten.  mehr...

CAUbonbon: Warum sind Sie Verbindungsstudent?

Mathias S.: Als ich nach Kiel kam, war ich auf der Suche nach günstigem Wohnraum. Dabei bin ich auf eine Verbindung gestoßen und wurde sofort mit offenen Armen empfangen. Begeistert hat mich schon von Anfang an das Lebensbundprinzip, das bedeutet, dass man der Verbindung sein ganzes Leben über treu bleibt. Außerdem ist es nie langweilig, da so eine sehr enge Gemeinschaft besteht.

CAUbonbon: Wie kann man sich das Lebensbundprinzip vorstellen?

Mathias S.: Das Lebensbundprinzip besagt, dass man bis zu seinem Tod Mitglied einer Studentenverbindung ist und auch am Leben innerhalb der Verbindung über diese Zeit hinweg teilnimmt. Dazu gezwungen ist man jedoch nicht. Wenn man merkt, dass man nicht mehr Angehöriger des Bundes sein will, kann man ohne Umwege austreten.

CAUbonbon: Das Verbindungsleben klingt sehr zeitaufwendig. Sind ein Studium und die Mitgliedschaft in einer Verbindung miteinander vereinbar?

Mathias S.: Ja, durchaus. Ich studiere Agrarwissenschaften und habe durch das sehr praxisnahe Studium viel Zeit, anderen Interessen und Tätigkeiten nachzugehen. Die Verbindung bildet dabei ein Gegengewicht zum Unialltag.

CAUbonbon: Und Studenten theoretisch orientierter Studiengänge sind eher benachteiligt?

Mathias S.: Nein, das kann man so nicht sagen. Ein paar meiner Bundesbrüder (Anm. der Red.: andere Mitglieder der Verbindung) studieren sehr theoretische Fächer wie Germanistik oder Geschichte und schaffen es trotzdem, am Verbindungsleben teilzuhaben, ohne ihr Studium zu vernachlässigen. Es gilt das akademische Prinzip, das Studium steht nach wie vor an erster Stelle.

CAUbonbon: Wie stehen denn andere Studenten zu Verbindungen?

Mathias S.: Die meisten sind neugierig und wollen wissen, was Verbindungen ausmacht. Es gibt aber auch welche, die eher mit Skepsis und Vorurteilen an die Sache herangehen. Besonders, wenn man an jemanden, der negative Erfahrungen damit gemacht hat, gerät.

CAUbonbon: Was denn für Vorurteile?

Mathias S.: Oft hört man, dass Verbindungsstudenten chauvinistisch und rechtsradikal seien. Das ist jedoch nur in Ausnahmefällen so. Besonders die Presse blickt dann auf die schwarzen Schafe, die sich durch so etwas hervortun und verallgemeinert dann gern. In Kiel ist die Situation ganz anders. Keiner der Bünde hier macht dadurch von sich reden.

CAUbonbon: Aber Frauen nimmt ein Großteil der Verbindungen trotzdem nicht auf?

Mathias S.: Das ist richtig, kommt aber nicht durch Chauvinismus. In gemischten Bünden stellt man nur mit der Zeit fest, dass es immer wieder geschlechterbedingte Differenzen gibt. Das Leben in einer Männer-WG ist einfach leichter.

CAUbonbon: Wie stehen sie und ihr Bund zum Thema Rechtsextremismus?

Mathias S.: Mein Bund bekennt sich klar zur demokratischen Grundordnung Deutschlands und  lehnt jegliche Form des Rechtsextremismus ab. Für mich gilt das gleiche.

CAUbonbon: Zum Thema Organisation: Wie bewerten Sie die Strukturen in Studentenverbindungen?

Mathias S.: Ich finde sie wirklich gut und wichtig. Frei nach dem Grundsatz „Wenn man führen will, muss man auch gedient haben“ fördert die Verbindung das Engagement und die Reife seiner Mitglieder. Außerdem sind viele basis- und direktdemokratische Elemente enthalten.

CAUbonbon: Inwiefern wird die Reife gefördert?

Mathias S.: Das Übernehmen von Verantwortung für den Bund führt zu einer Charakterentwicklung und trainiert spielend die für den Beruf so wichtigen „Soft Skills“ an. Außerdem betreibt man während dieser Zeit dauerhaft Sport, das Pauken (Anm. der Red.: akademisches Fechten)

CAUbonbon: Was bringt einem Studenten das Pauken?

Mathias S.: Es fördert die Selbstdisziplin, da man von montags bis freitags gewissenhaft diesen Sport macht. Man überwindet seinen inneren Schweinehund und wächst mit den Semestern über sich hinaus.

CAUbonbon: Hat ein Verbindungsstudent durch seine Mitgliedschaft Vorteile im Arbeitsleben?

Mathias S.: Durch die Unterstützung der ehemaligen Studenten kann man auf ein großes Netzwerk von Kontakten zurückgreifen, dass sich durchaus positiv auswirken kann. Den Vorwurf der Seilschafterei finde ich jedoch übertrieben, da nicht jeder Verbindungsstudent automatisch und ungeachtet seiner Eignung später in einer leitenden Position arbeitet. 

CAUbonbon: Das klingt ja alles durchweg positiv. Gibt es denn auch Nachteile?

Mathias S.: Ja, schon. Man ist zeitlich durch das Verbindungswesen und das gleichzeitige Studium stark beansprucht und hat wenig Zeit für andere Dinge. Am Wochenende stehen dann oft gemeinsame Veranstaltungen an, auf die man vielleicht nicht immer Lust hat. Ich glaube jedoch, dass ich durch die Verbindung sehr viel erfahre, was später nützlich sein wird und bin froh, hier hergekommen zu sein.

CAUbonbon: Vielen Dank für dieses aufschlussreiche Gespräch über das Verbindungswesen. Haben Sie noch etwas hinzuzufügen?

Mathias S.: Gern geschehen. Für jeden Interessierten: Unsere Tür steht immer offen und wir freuen uns jederzeit über neue Gesichter. Wir beißen ja nicht.